Allgemein Familie

Kuschelig weich und völlig unnötig – ein Lammfell fürs Baby

31. Januar 2017

© Foto: Tim Marshall

Wir schreiben das Jahr ….  Moment, ich schaue noch mal kurz nach  …

2017

2017 n. Chr. – Wir tragen kleine Computer mit uns rum, die alles können: telefonieren, Musik abspielen, fotografieren, den Herzschlag messen. Alles.

2017 n. Chr. – Wir fliegen bis ans andere Ende der Welt und wieder zurück.

2017 n. Chr. – Unsere großen Kinder spielen mit intelligenter Knete.

2017 n. Chr. – Unsere Babys  legen wir auf die abgezogene Haut toter Hundewelpen  Babyschafe.

WTF?

Ein Lammfell gehört für werdende Eltern einfach zur Babyerstausstattung dazu.

So wie die Holzwiege oder der erste Strampler.

Verzeiht mir meine lieben Leser, aber das ist irgendwie … schräg.

Viele Kinderwägen werden spätestens Anfang Oktober mit einem Lammfell präpariert, doch auch im Haus wärmt die Tierhaut das Babybett. Trotz voll aufgedrehter Zentralheizung und eigens pünktlich zur Geburt angeschaffter Infrarotlampe.

Ein Lammfell gibt’s schon für unter 30€. Um optimale Qualität zu gewährleisten, müssen die Lämmer nur kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und kopfüber für den finalen Kehlschnitt an einen Haken gehängt werden. Je jünger das Lamm, desto kuscheliger das Fell.

Jaja ich weiß. Die Felle sind in diesem Fall tatsächlich auch mal ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Altes Hammelfleisch will schließlich keiner essen. Zartes Babyschaf auf dem Teller mögen viele Menschen hingegen sehr.

Wie abgefuckt sind wir eigentlich? Wir nehmen einer anderen Mutter ihr Baby weg, töten es und ziehen ihm das Fell über die Ohren, damit wir unser eigenes Baby drauflegen können. Ughhh.

Und jetzt?

Ich möchte alle (werdenden) Eltern dazu anregen, das mal kurz sacken zu lassen und über Alternativen nachzudenken.

Natürlich will man, dass es das eigene Baby immer kuschelig warm hat. Wie wär’s also stattdessen mit einer Alternative aus pflanzlichen oder synthetischen Fasern?

Wer jetzt denkt: „Pfui. Ich will keinen synthetischen Chemie-Scheiß für mein Baby, sondern ein Naturprodukt.“ der sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass Tierhäute ihre Haltbarkeit ausschließlich durchs Gerben erlangen. Der Gerbprozess hinterlässt jedoch auch im kuscheligsten Lammfell Schwermetalle wie zum Beispiel Quecksilber oder Aluminium. Ein „Naturprodukt“ ist das was am Ende dabei rauskommt jedenfalls nicht.

Im Jahr 2017 muss man sein Baby nicht mehr auf die Haut toter Lämmer legen. Eine einfache Decke tut’s auch.


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4 Kommentare

  • Antworten Jacqueline 10. Februar 2017 at 13:59

    Vielen Dank Caroletta, dein Beitrag spricht mir aus der Seele! Genauso unverständlich sind mir die guten alten Lammfell-Einlegesohlen – schrecklich…

  • Antworten Mareike 31. März 2018 at 12:35

    Oh ja, würde mir auch nie in den Sinn kommen… Ih bah ;)

  • Antworten Alex Hammerschmied 15. Juni 2018 at 12:59

    Du hast absolut recht Carlotta!
    Und es gibt so geile Stoffe mittlerweile die uns dank moderner Technik zur Verfügung stehen.
    Und: Ich mag deinen Schreibstil…
    Alles Liebe,
    Alex

    • Caroletta
      Antworten Caroletta 25. Juni 2018 at 10:20

      Lieben Dank, Alex <3

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