Familie

Zu viel des Guten – Schenken im Rausch der Weihnacht

17. Dezember 2015
Der Rausch der Weihnacht (2)

In weniger als einer Woche ist Heiligabend und schon jetzt sind alle am Durchdrehen. Nix da mit besinnlicher Vorweihnachtszeit. Bei vielen Leuten stehen dieser Tage scheinbar pausenlos Weihnachtsfeiern an und die letzten Geschenke für den Nachwuchs müssen auch noch besorgt werden.
Denn: wird ein Kind heutzutage zu Weihnachten nicht mit Geschenken überschüttet, passiert das in den Augen unserer Konsum-Gesellschaft nur aus zweierlei Gründen: Armut oder Geiz. Wer vor den Feiertagen nicht in einen Kaufrausch verfällt, der hat entweder kein Geld oder ist zu knauserig um es auszugeben. Von der offensichtlich mangelnden Liebe zum Kind mal ganz zu schweigen.

Dabei spielt es keine Rolle, dass viele Leute die Spielzeugmassen im Zimmer ihrer (Paten-)Kinder, Nichten, Neffen und Enkel jenseits der Feiertage durchaus kritisch sehen. Vor allem ältere Leute jammern gern über die verwöhnten Blagen von heute. (Früher hat’s das alles nicht gegeben!) Zu Weihnachten aber scheint in unserem Kulturkreis bei vielen Menschen flächendeckend der Verstand aus- und der Konsumrausch einzusetzen. Vor einer Woche kam mein achtjähriger Sohn aus der Schule und meinte: „Der XYZ darf sich vom Weihnachtsmann nur Geschenke wünschen, die zusammen nicht mehr als 350€ kosten.“ 350€. Alter Falter. 350€!!! Bin mal gespannt, wie der Weihnachtsmann das den Kindern erklärt, die sich mit weniger zufrieden geben müssen. Sei es, weil das Geld zu Hause knapp ist oder aus anderen Gründen, zum Beispiel weil die Eltern ihren Kindern gern ein Bewusstsein für verantwortungsvollen Konsum und Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben wollen. (HaHa. Diese Hippies wieder.)

Die meisten Kinder haben heute, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern, materiell gesehen alles, was man sich nur vorstellen kann.

Ob sie in der Platte oder in einer hübschen Vorstadtvilla wohnen, eines haben alle Familien gemeinsam: Jahr für Jahr rollt eine Geschenklawine über sie hinweg und verwandelt früher oder später jedes einzelne Kinderzimmer in eine Plastikspielhölle. Meist haben Eltern auf das Ausmaß der Geschenkeflut, wenn überhaupt, nur einen geringen Einfluss. Oft reicht der Inhalt eines jeden einzelnen Pakets von Verwandten und Freunden aus, um alle anderen Geschenke theoretisch überflüssig zu machen. In manchen Familien herrscht beim Schenken sogar so eine Art Konkurrenzkampf. Der Beste, Tollste, Größte und vor allem Liebendste ist, wer die meisten und teuersten Geschenke macht. Dafür verschuldet man sich auch gern einmal. Ist ja schließlich Weihnachten.

Ein Geschenk ist etwas ganz besonderes. Es ist mit schönem Papier verpackt, ist schwer oder leicht, hart oder weich. Vielleicht klappert es, vielleicht knistert nur das Papier, in das es eingewickelt ist. Da steckt Magie dahinter! Diese Magie kann schnell verloren gehen, wenn ein Kind angesichts der Geschenkeflut nach dem nächsten und übernächsten und überübernächsten bunten Päckchen giert, nur um danach überhaupt nicht mehr zu wissen, womit es jetzt eigentlich spielen soll. Nicht selten beschäftigen sich die ganz Kleinen vor lauter Verwirrung für den Rest des Weihnachtsfestes nur noch mit dem bunten Verpackungsmüll.

Man muss kein Christ sein, um zu erkennen, dass die Bedeutung hinter dem Weihnachtsfest immer mehr abhanden kommt. Damit meine ich nicht unbedingt die Geburt Jesus Christus, sondern gemeinsam verbrachte Zeit mit der Familie, zur Ruhe kommen, Gutes tun.

Doch tun wir unseren Kinder etwas Gutes, wenn wir sie mit Geschenken überschütten, bis sie nicht mehr wissen, wo oben und unten ist?

Ich glaube nicht. Wir haben deshalb dieses Jahr allen Verwandten und Freunden einen Brief geschrieben und darum gebeten, dass jeder maximal ein kleines Geschenk für jedes der Kinder kauft/ bastelt/ strickt…. was auch immer. Mein größter Wunsch zu Weihnachten ist, dass sich alle an diesen Brief erinnern. Ich möchte nicht, dass meine Kinder zu undankbaren, gelangweilten kleinen Konsummonstern mit riesiger Anspruchshaltung heranwachsen. Ich möchte, dass sie lange Freude an ihren Geschenken haben, dass sie sich auf ihre Großeltern, Onkel und Tanten freuen und nicht nur auf das, was diese ihnen zu den Feiertagen bescheren.

Nieder mit der Konsumkultur und den innerfamiliären Wettbewerben ums größte Geschenk!

Geschenke kommen von Herzen. Wie groß der Geldbeutel ist, spielt überhaupt keine Rolle.  Und immer daran denken: Kinder sind nicht dumm. Und sie reden miteinander. In der Kita, auf dem Spielplatz und auf dem Schulhof. Die wissen, dass eine X-Box oder ein neues Fahrrad viel mehr kosten als ein Brettspiel. Insofern ist diese Ungleichbehandlung schon ein bisschen fies vom Weihnachtsmann und für die Kleinen auch nur schwer nachzuvollziehen. Die richtig großen Sachen sind meiner Meinung nach nichts, womit sich der alte Mann abschleppen sollte.

Weniger ist mehr. Wirklich.


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2 Kommentare

  • Antworten Jenni 20. Dezember 2016 at 7:16

    Liebe Caroletta,

    ich sehe das ganz genauso wie du und freue mich, dass das endlich einmal jemand thematisiert, während viele andere ernsthaft so entgegengesetzt zum noch vor ein paar Wochen geäußerten eigentlichen Standpunkt nun wieder fleißig losziehen, um mit dicken Tüten bepackt aus der Fußgängerzone oder mit überdimensionalen Päckchen für die Kleinen vom Postschalter wiederzukommen.
    Natürlich sind Geschenke schön, vor allem für Kinder. Aber ich finde, du hast die Sache mit der nicht enden wollenden Gier am Weihnachtsabend gut beschrieben – ein anderes Wort gibt es dafür vermutlich nicht. Und nicht nur für das betäubte Kind ist das schlimm – auch als Schenkender fühlt man sich (eigentlich ja zu Unrecht, hat man das immerhin selbst mitverzapft) allein – das eigene, vielleicht liebevoll ausgesuchte Geschenk geht unter in der schieren Masse und irgendwie will man das dem Kind, das eigentlich nichts dafür kann, übelnehmen.
    Insofern: Geschenke, ja – aber bitte keine jede Freude auf beiden Seiten ertränkende Materialismusflut!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Caroletta
      Antworten Caroletta 20. Dezember 2016 at 11:33

      Liebe Jenny! Danke für deinen Kommentar. Der Text ist nun schon ein Jahr alt und fest steht: es ist nicht einfach. Die Verwandtschaft tut sich nach wie vor schwer mit unserer Sichtweise, auch wenn sich’s schon etwas gebessert hat. Es bräuchte ein riesengroßes gesamtgesellschaftliches Umdenken. Und deshalb gilt immer und immer wieder: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“
      Davon bin ich überzeugt. Liebe Grüße, C.

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